Alzheimer - Demenz ein Krisenfall.



11.04.12 

NEUER WHO-REPORT

Demenz entwickelt sich zum globalen Krisenfall

Die WHO zeichnet ein dramatisches Bild: Demenz breitet sich demnach weltweit explosionsartig aus. Bis 2030 wird sich die Zahl der Erkrankten verdoppeln - die Gesundheitssysteme würden kollabieren.

© pa 

Demenz müsse dringend zu einem Schwerpunkt der Gesundheits- und Sozialpolitik gemacht werden, fordert die WHO. Bisher verfügten lediglich acht von 194 WHO-Mitgliedsstaaten über einen nationalen Plan für Demenzerkrankungen


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Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor dramatischer Zunahme von Demenz: Die Zahl der Betroffenen könnte sich von 35,6 Millionen Menschen im Jahr 2010 auf 65,7 Millionen Erkrankte im Jahr 2030 nahezu verdoppeln. Die Gesundheitssysteme seien darauf aber noch nicht ausreichend vorbereitet.

Bis 2050 könnte sich die Zahl laut dem Bericht der WHO und der Alzheimer's Disease International (ADI) auf mehr als 115 Millionen erhöhen. Weltweit werde derzeit alle vier Sekunden eine Demenzerkrankung diagnostiziert, erklärte ADI-Geschäftsführer Marc Wortmann.

Demenz ist ein globales Problem

Zudem zeige die Auswertung von Daten aus Ländern mit niedrigen und mittleren Durchschnittseinkommen, dass Demenz ein globales Problem sei.

Die Krankheit müsse dringend zu einem Schwerpunkt der Gesundheits- und Sozialpolitik gemacht werden, sagte der Leiter der WHO-Abteilung für physische Gesundheit, Shekhar Saxena.

Bisher verfügten lediglich 8 von 194 WHO-Mitgliedsstaaten über einen nationalen Plan für Demenzerkrankungen. Zudem müssten die Angehörigen, die sich um Demenzkranke kümmern, besser unterstützt werden.

Auch wenn eine Heilung der Krankheit derzeit noch nicht möglich sei, könne viel dafür getan werden, das Leben der Betroffenen zu verbessern. Daher müsse auch die Forschung auf diesem Gebiet intensiviert werden.

Rasant steigende Gesundheitskosten

Die Kosten für die Gesundheitssysteme, die gegenwärtig auf rund 460 Milliarden Euro geschätzt werden, steigen laut dem Bericht noch schneller als die Zahl der Erkrankungen.

ADI-Geschäftsführer Marc Wortmann sprach von einem „sozialen und wirtschaftlichen Alptraum“. Die Gesundheitssystems seien auf die explosionsartige Ausbreitung der Demenzerkrankungen nicht vorbereitet.

Die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Heike von Lützau-Hohlbein, erneuerte ihre Forderung nach einem nationalen Demenzplan. Dieser müsse Standards definieren und eine überprüfbare Umsetzung vorgeben.

1,2 Millionen Demenzkranke in Deutschland

Derzeit seien in Deutschland 1,2 Millionen Menschen betroffen, bis zum Jahr 2050 könne sich die Zahl auf 2,6 Millionen Erkrankte erhöhen.

Demenz wird durch eine Vielzahl von Hirnerkrankungen ausgelöst. Die häufigste Form der Demenz ist Alzheimer. Die Erkrankung beeinträchtigt die Gedächtnisfunktion, das Denken und auch die Orientierung der Betroffenen und wird laut WHO-Bericht auch in Industriestaaten nur in 20 bis 50 Prozent der Fälle routinemäßig erkannt.

Die Diagnose-Möglichkeiten und die Ausbildung in der Medizin müssten deshalb dringend verbessert werden, forderten die Autoren des Berichts. Zudem müsse die Öffentlichkeit besser über Demenz aufgeklärt werden.

Quelle: dapd/AFP/oc